Was frisst der Rotmilan? Nahrung und Verhalten
von/ durch TeamBirdfy
auf Aug 27, 2026
Mit seinem tief gegabelten Schwanz, dem rostroten Gefieder und seinem anmutigen Flug ist der Rotmilan einer der bekanntesten Greifvögel der deutschen Landschaft. Trotz seines eindrucksvollen Erscheinungsbildes ist er jedoch kein erbitterter Jäger, wie viele Menschen vermuten. Rotmilane sind hauptsächlich opportunistische Aasfresser. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Aas, Würmern, kleinen Säugetieren und anderen leicht auffindbaren Nahrungsquellen.
In diesem Leitfaden erfahren Sie genau, wovon Rotmilane sich ernähren, wie ihre Futtersuchstrategie funktioniert, wie sich ihre Ernährung im Laufe des Jahres verändert und wie Sie dieses Fressverhalten selbst verantwortungsbewusst beobachten können.

KURZANTWORT
Rotmilane sind Fleischfresser, verhalten sich jedoch weitaus opportunistischer, als den meisten Menschen bewusst ist. Aufgrund ihrer schwachen Krallen sind sie für den Fang großer lebender Beutetiere kaum geeignet, weshalb sie sich eher auf Aas als auf die aktive Jagd verlassen. Aus diesem Grund bildet Aas das ganze Jahr über den Hauptbestandteil ihrer Ernährung.
Was frisst Rotmilane? Ihre Hauptnahrung
Obwohl Rotmilane oft für wilde Jäger gehalten werden, sind sie in erster Linie opportunistische Aasfresser. Da sie über relativ schwache Krallen verfügen, fällt es ihnen schwer, große lebende Beutetiere zu erlegen; stattdessen sind sie besonders geschickt darin, Aas aufzuspüren und zu verzehren. Aufgrund dieser Lebensweise als Aasfresser bilden tote Tiere das ganze Jahr über die beständige Grundlage ihrer Ernährung.
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Bestandteile ihrer Nahrung:

| Nahrungskategorie | Beispiele | Hinweise |
|---|---|---|
| Aas und Verkehrsopfer | Verendete Schafe, Kaninchen, Hirsche und Nachgeburten von Nutztieren | Das ganze Jahr über ein Grundbestandteil der Nahrung. Besonders wichtig im Herbst und Winter, wenn lebende Beutetiere knapp sind. |
| Wirbellose | Regenwürmer und Käfer | Im Frühjahr nach Regenfällen besonders häufig. Sie sind feucht, leicht zu fangen und während der Brutzeit von großer Bedeutung. |
| Kleine Säugetiere | Wühlmäuse, Mäuse, Spitzmäuse und junge Kaninchen | Werden eher bei Gelegenheit erbeutet als aktiv gejagt. Während der Fütterung der Küken werden sie häufiger gefangen. |
| Vögel | Tauben, Krähen, Jungvögel und geschwächte erwachsene Vögel | Machen nur einen kleinen Teil der Nahrung aus. Rotmilane sind keine geschickten Vogeljäger. |
| Fische und Amphibien | Gestrandete Fische und Frösche | Werden opportunistisch aufgenommen und meist an flachen Gewässerrändern erbeutet. |
| Städtische Nahrungsquellen | Haushaltsreste und weggeworfene Lebensmittel | Sie werden immer häufiger genutzt, da sich Rotmilane zunehmend an Ortschaften und Städte anpassen. |
Wie Rotmilane fressen
Rotmilane sparen Energie, indem sie tief über offenem Gelände gleiten und dabei kaum mit den Flügeln schlagen. Ihr gegabelter Schwanz hilft ihnen beim Steuern und sorgt für Stabilität in der Luft, wodurch sie sich eher als hervorragende Sucher aus der Luft denn als schnelle Verfolger eignen. Wenn sie eine mögliche Beute entdecken, schweben sie möglicherweise kurz in der Luft, bevor sie herabsetzen, um die Beute zu untersuchen.

Außerdem orientieren sie sich an anderen Vögeln. Wenn Krähen oder Raben ungestört an einem Kadaver fressen, wartet ein Rotmilan möglicherweise in der Nähe und nähert sich erst, sobald er die Lage für sicher hält. Diese vorsichtige Art der Nahrungssuche ist ein Grund dafür, dass diese Art als Aasfresser so erfolgreich ist.
Saisonale Veränderungen der Ernährung
Die Ernährung eines Rotmilans ist nicht fest vorgegeben; sie ändert sich deutlich im Laufe der Jahreszeiten, je nachdem, wie sich das Beuteangebot und der Energiebedarf verändern.
| Jahreszeit | Wichtigste Nahrungsquellen | Warum sie wichtig sind |
|---|---|---|
| Frühling (März bis Mai) | Regenwürmer und kleine Säugetiere | Hoher Proteinbedarf für die Eiablage und den Beginn der Kükenaufzucht. |
| Sommer (Juni bis August) | Lebende Beutetiere, Wirbellose und etwas Aas | Die erwachsenen Rotmilane müssen die schnell wachsenden Küken füttern. Nahrung ist in der Regel reichlich vorhanden. |
| Herbst (September bis November) | Aas, da die Sterblichkeit von Hirschen und Schafen zunimmt | Lebende Beutetiere werden knapper. Durch das fallende Laub lassen sich Kadaver leichter entdecken. |
| Winter (Dezember bis Februar) | Aas und gemeinschaftliche Nahrungssuche von den Schlafplätzen aus | Kaltes Wetter erhöht die Sterblichkeit anderer Tierarten. An großen gemeinschaftlichen Winterschlafplätzen werden Informationen über gefundene Nahrungsquellen ausgetauscht. |
Während der Brutzeit steigt der Proteinbedarf stark an, da die Eltern sowohl sich selbst als auch ihre heranwachsenden Küken versorgen müssen. Deshalb machen lebende Beutetiere und Wirbellose einen größeren Anteil der Nahrung aus.
Im Herbst verschiebt sich das Verhältnis aufgrund sinkender Temperaturen und der steigenden Sterblichkeit bei Hirschen und Schafen wieder zugunsten von Aas. Die großen gemeinschaftlichen Winterschlafplätze der Rotmilane dienen dabei als informelle Informationsnetzwerke. Findet ein Rotmilan eine ergiebige Nahrungsquelle, folgen ihm häufig andere Vögel aus der Umgebung. In Deutschland überwintern inzwischen regelmäßig mehrere tausend Rotmilane (je nach Jahr und Zählung oft 2.000–3.500 Individuen an Schlafplätzen), vor allem in den östlichen und mittleren Bundesländern.
Was fressen junge Rotmilane?

Junge Rotmilane sind bei der Nahrungsversorgung vollständig von ihren Eltern abhängig. Beide Altvögel bringen Fleisch zum Nest zurück. Sehr junge Küken werden mit winzigen Fleischstreifen gefüttert, die sie leicht herunterschlucken können. Mit zunehmendem Alter können sie größere Stücke Aas, kleine Säugetiere und Regenwürmer fressen.
Die Jungvögel verlassen das Nest normalerweise nach etwa 50 bis 60 Tagen, bleiben jedoch noch mehrere Wochen von ihren Eltern abhängig. In dieser Zeit lernen sie, Nahrung zu finden, indem sie den Altvögeln folgen und beobachten, wie diese die Landschaft nach Futter suchen.
Rotmilan im Vergleich zu anderen britischen Greifvögeln: Ein Vergleich der Ernährung
Ein Vergleich der Ernährung des Rotmilans mit der anderer in Deutschland verbreiteter Raubvögel trägt dazu bei, seine einzigartige ökologische Nische zu verdeutlichen:
| Art | Hauptnahrung | Jagdweise | Wichtigster Unterschied zum Rotmilan |
|---|---|---|---|
| Rotmilan | Aas, Regenwürmer und kleine Säugetiere | Sucht im Segelflug nach Aas | Schwache Fänge. Tötet nur selten Beutetiere, die größer als ein kleines Kaninchen sind. |
| Mäusebussard | Kleine Säugetiere, Kaninchen und Aas | Ansitzjagd, frisst teilweise auch Aas | Kräftige Fänge. Kann ausgewachsene Kaninchen erbeuten und jagt aktiver. |
| Sperber | Kleine Vögel wie Finken, Sperlinge und Meisen | Überraschungsjäger. Verfolgt Beute mit hoher Geschwindigkeit durch die Deckung. | Spezialisierter Vogeljäger, der fast kein Aas frisst. |
| Turmfalke | Wühlmäuse, Mäuse und Käfer | Rüttelflug mit anschließendem Herabsetzen auf die Beute | Spezialisierte Jäger kleiner Säugetiere, die fast ausschließlich auf lebende Beute angewiesen sind. |
Dieser Gegensatz macht deutlich, warum der Rotmilan eine andere Rolle spielt als andere Raubvögel: Er ist das „Reinigungskommando“ der Landschaft und kein Raubtier, das einen nennenswerten Druck auf den Bestand lebender Beutetiere ausübt.
Ökologische Bedeutung und Artenschutz
Durch die schnelle Beseitigung von Aas spielen Rotmilane eine wirklich nützliche ökologische Rolle: Sie tragen dazu bei, die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen und Nährstoffe wieder in das Nahrungsnetz zurückzuführen. Es gibt keine Belege dafür, dass ihre Anwesenheit mit einem Rückgang der Vogelpopulationen in Gärten oder auf landwirtschaftlichen Flächen in Verbindung steht, auch wenn dieses Vorurteil nach wie vor besteht.
Deutschland trägt eine ganz besondere globale Verantwortung für den Rotmilan: Hier brüten etwa die Hälfte bis über die Hälfte des weltweiten Bestands (aktuell oft mit ca. 12.000–16.000 bzw. bis zu rund 14.500–22.000 Brutpaaren angegeben, je nach Quelle und Zeitraum). Der Verbreitungsschwerpunkt liegt vor allem in Mittel- und Ostdeutschland (z. B. Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Hessen mit dem Vogelsberg und Harzvorland als Dichtezentren). Die Art wird manchmal als „heimlicher Wappenvogel“ Deutschlands bezeichnet.

Historisch war der Rotmilan in Deutschland zeitweise stark zurückgedrängt (intensive Verfolgung im 19./frühen 20. Jahrhundert), erholte sich danach und erreichte zeitweise hohe Dichten. Seit den 1990er Jahren kam es regional (besonders im Norddeutschen Tiefland und in intensiven Agrargebieten Ostdeutschlands) zu deutlichen Rückgängen (oft um 25–30 % oder mehr), die vor allem mit der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Verlust strukturreicher Kulturlandschaften und der Nahrungsverknappung zusammenhängen. In manchen Mittelgebirgs- und südwestlichen Regionen sind die Bestände stabiler oder wieder leicht zunehmend. Die Art steht in der deutschen Roten Liste der Brutvögel auf der Vorwarnliste.
Trotz der hohen nationalen Verantwortung sind Bedrohungen nicht verschwunden. Sekundärvergiftungen (z. B. durch Rodentizide) bleiben ein wichtiges Risiko, da Rotmilane Aas und kleine Nagetiere fressen. Weitere Gefahren sind Kollisionen mit Windenergieanlagen und Stromleitungen, Verkehrsunfälle bei der Nahrungssuche am Straßenrand sowie Lebensraumverluste. Der Rotmilan ist besonders geschützt (Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie, besonders geschützte Art nach Bundesnaturschutzgesetz/BNatSchG). Naturschutzorganisationen wie NABU, LBV und die Deutsche Wildtier Stiftung sowie Projekte wie „Land zum Leben“ setzen auf nahrungsfreundliche Landwirtschaft (z. B. Blühstreifen, staffelweise Mahd, extensive Grünlandnutzung), Horstschutz und Aufklärung von Landwirten.
So beobachtet man die Nahrungssuche der Rotmilane
Rotmilane lassen sich nicht an herkömmlichen Futterhäuschen anlocken, was ihre Beobachtung zu einer ganz anderen Herausforderung macht als die von Gartenlieblingen wie Finken oder Spatzen.

Naturschutzorganisationen wie NABU und LBV raten in der Regel davon ab, privat und unkontrolliert Fleischreste für Rotmilane auszulegen. Regelmäßiges Füttern kann zu Abhängigkeit von einzelnen Nahrungsquellen führen, die natürliche Raumverteilung beeinträchtigen und bei reinen Fleischresten zu Nährstoffmängeln (z. B. Kalzium) bei Jungvögeln beitragen. Genehmigte, professionell betriebene Ablenk- oder Luderplätze gibt es im Rahmen von Artenschutz- oder Windkraft-Ausgleichsmaßnahmen, aber sie sind keine öffentlich zugänglichen „Touristenattraktionen“ wie die britische Gigrin Farm.
Wer Rotmilane intensiv beobachten möchte, orientiert sich besser an bekannten Schlafplätzen (vor allem im Winter in den östlichen und mittleren Bundesländern) oder an Gebieten mit hoher Dichte wie dem nördlichen Harzvorland, dem Vogelsberg oder Teilen Thüringens und Sachsens – stets mit Rücksicht auf Horstschutzzonen und ohne Störung.
Das Verhalten von Rotmilanen mit einer intelligenten Vogelkamera festhalten
Wenn Sie in einem Gebiet leben, in dem Rotmilane vorkommen, können Sie beobachten, wie sie auf der Suche nach Nahrung über Ihren Garten oder die Feldflur fliegen und dabei die Thermik nutzen. Zwar landen sie selten an einem Futterspender, doch eine intelligente Vogelkamera (z. B. mit Bewegungserkennung) kann ihre Überflüge automatisch erkennen und aufzeichnen. So lassen sich charakteristische Flugmuster und das Nahrungssuchverhalten dokumentieren, ohne die Vögel zu stören.
Die bewegungsgesteuerte Aufzeichnung eignet sich besonders gut, um spontane Flugvorführungen festzuhalten – etwa Schwebemanöver, Interaktionen mit Krähen in der Luft oder das Nutzen von Thermik –, die aus der Nähe nur schwer zu beobachten sind.
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Was fressen Rotmilane?“
Sind Rotmilane gefährlich für Haustiere oder Kinder?
Nein. Rotmilane haben schwache Krallen und können nichts heben oder tragen, was schwerer ist als ein kleines Kaninchen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie eine Gefahr für Katzen, Hunde oder Menschen darstellen.
Fressen Rotmilane andere Vögel?
Gelegentlich, aber das macht nur einen kleinen Teil ihrer Nahrung aus. Sie können zwar Jungvögel oder geschwächte erwachsene Vögel wie Tauben und Krähen erbeuten, doch Rotmilane sind keine geschickten Jäger und ernähren sich hauptsächlich von Aas und Wirbellosen.
Wie oft fressen Rotmilane?
Wie häufig sie fressen, hängt vom verfügbaren Nahrungsangebot ab. Sie können sich an einem großen Kadaver satt fressen und anschließend mehrere Tage lang kaum weitere Nahrung benötigen. Ernähren sie sich jedoch von energieärmerer Nahrung wie Regenwürmern, können sie nahezu ununterbrochen nach Futter suchen.
Warum kreisen Rotmilane über meinem Haus?
Sie nutzen thermische Aufwinde, um nahezu ohne Kraftaufwand zu gleiten und dabei den Boden unter sich nach Aas oder Beutetieren abzusuchen. Wenn sie längere Zeit über derselben Stelle kreisen, bedeutet dies häufig, dass sie in der Nähe etwas Vielversprechendes entdeckt oder gerochen haben.
Sollte ich Rotmilane in meinem Garten füttern?
Naturschutzorganisationen wie der RSPB raten davon ab. Regelmäßige Fütterungen können dazu führen, dass Rotmilane von einer einzigen Nahrungsquelle abhängig werden und sich weniger auf natürliche Weise in neue Gebiete ausbreiten. Reine Fleischreste enthalten außerdem nicht genügend Kalzium und Ballaststoffe, die Küken für ihre Entwicklung benötigen. Dies kann bei jungen Vögeln zu Knochenproblemen führen.
Fazit
Der Rotmilan ist weit mehr als eine markante Silhouette am Himmel. Er ist ein äußerst anpassungsfähiger Überlebenskünstler, dessen flexible, auf Aas ausgerichtete Ernährung dazu beigetragen hat, ihn vom Rand des Aussterbens zu einer der großen Erfolgsgeschichten des britischen Naturschutzes zu machen. Von der Suche nach Regenwürmern auf Frühlingswiesen bis zum Versammeln an gemeinschaftlichen Schlafplätzen in den kältesten Wintermonaten zeigen seine Ernährungsgewohnheiten einen Vogel von bemerkenswerter Intelligenz und Einfallsreichtum.
Zu verstehen, was Rotmilane frisst ,und dem Impuls zu widerstehen, sie selbst zu füttern, gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, diese charakteristische, kreisende Silhouette auch für kommende Generationen als vertrauten Teil des britischen Himmels zu bewahren.
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