Großtrappe in Deutschland: Vom Aussterben bedroht zum Erfolgsprojekt
von/ durch TeamBirdfy
auf Sep 11, 2026
Stellen Sie sich einen Vogel vor, der so groß ist, dass es unmöglich erscheint, dass er fliegen könnte – und doch tut er es, und zwar auf großartige Weise. Die Großtrappe (Otis tarda), Deutschlands schwerster flugfähiger Vogel, beherrschte einst weite Teile der offenen Agrarlandschaften in Ostdeutschland. Mitte der 1990er-Jahre stand sie kurz vor dem endgültigen Verschwinden: Nur noch 57 Individuen lebten in Deutschland.
Heute ist die Großtrappe zurück. Im Frühjahr 2026 leben wieder rund 305 Großtrappen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das ist das Ergebnis eines der ambitioniertesten und erfolgreichsten Artenschutzprojekte Deutschlands – getragen vom Förderverein Großtrappenschutz e.V., den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie zahlreichen Partnern.

Kurz gesagt
Die Großtrappe ist Deutschlands schwerster flugfähiger Vogel. Die Männchen können bis zu 17–18 kg wiegen. In den 1990er-Jahren war die Art in Deutschland fast ausgestorben (nur noch 57 Vögel). Durch intensive Schutzmaßnahmen (Lebensraumgestaltung, Gelegerettung, Handaufzucht und Auswilderung) stieg der Bestand auf über 300 Individuen. Die Vorkommen konzentrieren sich auf das Havelländische Luch, die Belziger Landschaftswiesen, den Fiener Bruch und das neue Wiederansiedlungsgebiet Zerbster Land. Es handelt sich um eine der wenigen wirklich erfolgreichen Erholungsgeschichten einer vom Aussterben bedrohten Vogelart in Mitteleuropa.
Was ist die Großtrappe?
Die Großtrappe gehört zur Familie der Trappen (Otididae). Ihr lateinischer Name „tarda“ bedeutet „langsam“ und bezieht sich auf ihren bedächtigen Gang – obwohl sie im Flug Geschwindigkeiten von über 60 km/h erreichen kann.
Größe und Gewicht

| Messwert | Männchen | Weibchen |
|---|---|---|
| Körperhöhe | 90–105 cm | Deutlich kleiner |
| Flügelspannweite | 2,1–2,5 m | Schmaler |
| Typisches Gewicht | 8–15 kg | Meist 3–5 kg |
| Rekordgewicht | bis ca. 17–18 kg | – |
Aussehen
Die Männchen sind unverkennbar: borstenartige Bartfedern, sattes bräunlich-graues Gefieder mit schwarzen Streifen und strahlend weiße Unterflügel, die im Flug dramatisch aufblitzen. Zur Balzzeit verwandeln sie sich in eine spektakuläre weiße „Puderquaste“. Die Weibchen sind unauffällig und tarnfarben gefärbt.

Weltweite Verbreitung
Der weltweite Bestand liegt bei etwa 30.000 Tieren, der Großteil davon in Spanien. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen der Bestand durch Schutzmaßnahmen wieder zunimmt.

Lebensraum und Verhalten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt
Die Großtrappe braucht weite, offene Landschaften mit geringer Störung. Die drei klassischen Einstandsgebiete (Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch) sowie das neue Gebiet im Zerbster Land bieten genau diese Bedingungen: ausgedehnte Grünlandflächen, extensive Ackerflächen und wenig Zerschneidung durch Straßen und Siedlungen.

Ernährung
Die Großtrappe ist ein Allesfresser. Im Frühling und Sommer stehen Insekten (Käfer, Heuschrecken, Raupen) im Vordergrund – entscheidend für die Jungenaufzucht. Im Herbst und Winter dominieren Pflanzen, Samen, Blätter und Erntereste.
Balz und Fortpflanzung
Jeden Frühling versammeln sich die Hähne an traditionellen Balzplätzen (Leks) und führen eine der spektakulärsten Balzdarstellungen der Vogelwelt auf. Dominante Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen, beteiligen sich aber nicht an der Aufzucht. Die Weibchen brüten allein in flachen Bodennestern.
Geschichte in Deutschland: Vom häufigen Vogel zum Überlebenskampf
Noch in den 1930er-/1940er-Jahren lebten in den heutigen deutschen Grenzen etwa 4.100 Großtrappen, allein in Brandenburg über 3.000. Durch Intensivierung der Landwirtschaft, Lebensraumverlust und hohe Verluste während der Brutzeit brach der Bestand dramatisch ein. 1997 wurden nur noch 57 Tiere gezählt – die Art stand unmittelbar vor dem Aussterben in Deutschland.

Das deutsche Schutzprojekt: Eine Erfolgsgeschichte
Seit den 1970er-/1980er-Jahren und besonders ab den 1990er-Jahren wird systematisch geschützt:
- Rettung gefährdeter Gelege
- Künstliche Bebrütung und Handaufzucht
- Auswilderung von Jungvögeln
- Lebensraumverbesserung (extensive Bewirtschaftung, Anlage von Brachestreifen)
- Prädationsmanagement
- Seit 2022 zusätzlich Wiederansiedlung im Zerbster Land
Der Förderverein Großtrappenschutz e.V. ist die zentrale Organisation. 2026 erhielt er eine Bundesförderung von 6,4 Millionen Euro aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm (Laufzeit bis 2032).
Wichtige Meilensteine
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1997 | Tiefstand mit nur 57 Individuen |
| ab 1990er | Intensivierung von Gelegeerrettung, Aufzucht und Auswilderung |
| 2012–2021 | Kontinuierlicher Anstieg auf 347 Tiere (2021) |
| 2022 | Start der Wiederansiedlung im Zerbster Land |
| 2026 | Frühjahrsbestand: 305 Individuen (davon 25 im Zerbster Land) |
Aktuelle Herausforderungen
Trotz des Erfolgs bleibt die Population fragil:

- Landwirtschaftliche Arbeiten während der Brutzeit
- Prädation (Füchse, Rabenvögel, Waschbären)
- Lebensraumzerschneidung (Straßen, Windkraft, Freileitungen)
- Klimawandel und Insektenschwund
So können Sie helfen
- Spenden Sie an den Förderverein Großtrappenschutz e.V. unter www.grosstrappe.org
- Unterstützen Sie extensive und trappenfreundliche Landwirtschaft
- Besuchen Sie die Gebiete im Rahmen geführter Touren (Informationen auf der Vereinswebsite)
- Verbreiten Sie die Geschichte des „Märkischen Straußes“
Fazit
Die Rückkehr der Großtrappe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist eine der inspirierendsten Naturschutzgeschichten Deutschlands. Von nur 57 Tieren auf über 300 Individuen – das zeigt, dass konsequenter Artenschutz funktioniert. Doch ein Bestand von 305 Vögeln ist noch kein Sicherheitsnetz. Jede Saison zählt.
Unterstützen Sie den Schutz der Großtrappe, damit Deutschlands schwerster flugfähiger Vogel dauerhaft in der märkischen Landschaft bleibt.
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